Margret Greiner



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Lesungen und Veranstaltungen

18.10.2017
48143 Münster

Ev. Forum, Chr.-jüd. Gesellschaft, Studienkreis

Ort: DKV Residenz, Tibusplatz,
Beginn: 15.30-18.00

Charlotte Salomon, Es ist mein ganzes Leben
Lesung, Bildervortrag und Gespräch



26.10.2017
78462 Konstanz

VHS Konstanz-Singen

Ort: Kulturzentrum am Münster, Katzgasse 7, Konstanz
Beginn: 19.30 Uhr

Charlotte Salomon, Es ist mein ganzes Leben
Lesung und Gespräch



14.11.2017
53773 Hennef

Buchhandlung am Markt

Ort: Adenauerplatz 22
Beginn: 20.00 Uhr

Charlotte Salomon, Es ist mein ganzes Leben
Lesung und Gespräch



15.11.2017
61169 Friedberg

Buchhandlung Bindernagel

Ort: Kaiserstr. 72, 61169 Friedberg
Beginn: wird nachgereicht,

Charlotte Salomon, Es ist mein ganzes Leben
Lesung und Gespräch



22.11.2017
Amsterdam

Goethe Institut und Joods Historisch Museum

Ort: Joods Historisch Museum, Nieuwe Amselstraat 1
Beginn: 14.30 Uhr

Charlotte Salomon, Es ist mein ganzes Leben
Lesung und Gespräch ( in englischer Sprache)





Notabene

Gerade erschienen:
Charlotte Salomon: Es ist mein ganzes Leben

Fast zehn Jahre lang hat mich Charlotte Salomon begleitet, seit ich zuerst im Jüdischen Museum in Berlin einige Bilder von ihr sah und Näheres über ihr Leben erfuhr.

Die Bilder empfand ich als fremd, exotisch und gleichzeitig ungemein persönlich, ihre Entstehung als fantastisch: Da sitzt Anfang der Vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine junge deutsche Jüdin im Exil an der Côte d’Azur, verstört durch die Internierung in ein französisches Lager, durch die tägliche Bedrohung, den Nazi-Häschern in die Hände zu fallen, durch das Stigma, dass die weiblichen Mitglieder ihrer Familie in Folge Selbstmord begehen –und versucht sich zu retten, indem sie „ihr ganzes Leben“ malt. Innerhalb von knapp zwei Jahren entstehen mehr als 1300 Gouachen, 769 davon bündelt sie zu dem Werk „Leben? oder Theater?“, entwirft sich darin als Regisseurin und dramatische Figur zugleich, vergewissert sich ihrer Lebensgeschichte und ihres Lebenswillens. Dabei entsteht das faszinierende Psychogramm einer verletzten und verletzlichen Seele, aber auch das Bild einer mutigen, lebensbejahenden, liebessehnsüchtigen und – ja! ? humorvollen jungen Frau.

„Etwas Verrückt-Besonderes“ wollte sie schaffen, etwas Unerhörtes und bis dahin nie Dagewesenes ist ihr gelungen: In ihren Gouachen vereint sie Bild, Text und Musik, erfindet neue Darstellungsformen: Elemente des Stummfilms, serielle Malerei, Comic Strip und Cartoons durchdringen einander.

Trotz ihrer physischen Vernichtung – sie wurde im Oktober 1943 in Auschwitz ermordet - hat sie als Künstlerin überlebt.

Am 16. April 2017 jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal, ein Anlass für mich, diese besondere Künstlerin ins Licht zu stellen.

Leseprobe unter: https://service.randomhouse.de/leseprobe/Charlotte-Salomon-Es-ist-mein-ganzes-Leben/leseprobe_9783813507218.pdf

Da, wo sie hingehört...

... ist Berlin. Hier wurde Charlotte Berend geboren, wuchs sie auf, lebte mit Lovis Corinth und malte, hier war sie bis zu ihrer Emigration im Jahr 1939 (meistens) zu Hause.

Bei einer Lesung in der Galerie der GEDOK (Gemeinschaft der Künstlerinnen) in Berlin konnte ich Charlotte Berend-Corinth Tribut zollen—in der Hoffnung, dass sie auch in ihrer Stadt späte Anerkennung als Künstlerin erfährt und nicht nur als Ehefrau und Modell Corinths im Gedächtnis bleibt.

(Foto: Iris Weirich)

Mit Flöge und Klimt am Gardasee

Jedes Jahr gingen Gustav Klimt und Emilie Flöge zusammen mit der weiteren Familie Flöge in die Sommerfrische, fast immer an den Attersee im Salzkammergut. Fast immer. Nur einmal suchte sich die „Colonie“ ein anderes Feriendomizil: im Jahre 1913 zog es sie an den Gardasee. Auch hier malte Gustav Klimt: eine Ansicht von Malcesine, die zypressenumstandene Kirche von Cassone und eine italienische Gartenlandschaft. Heute gibt es eine andere "Colonie" am Gardasee, Deutsche, die hier nicht nur ein paar Sommerwochen verbringen, sondern in dieser grandiosen, von Öl-und Zypressenbäumen bestandenen Landschaft ihren festen Wohnsitz genommen haben. Viele interessieren sich für die kulturelle Vergangenheit dieser Region, so auch für Flöges und Klimts Besuch in...Ja wo genau? Seit Jahrzehnten machen sich die Gemeinden Tremosine und Malcesine den Rang streitig, im Jahr 1913 die berühmten österreichischen Gäste beherbergt zu haben. Ganz geklärt ist der Wettbewerb nicht. Ich habe mich im Buch für Malcesine entschieden. Andrea Schulz, interessierte Leserin meines Buches und Bewohnerin von Benaco, hatte mit mir Kontakt aufgenommen. Daraus entwickelte sich die Idee einer Lesung vor Ort.

Nach der Lesung mit Andrea und Jürgen Schulz (Fotograf: Wolfgang Schmidt)

Stefano Lombardi, Hotelier in Malcesine und Sohn einer alten Freundin, setzte sich bei der Gemeinde Malcesine dafür ein, dass diese den Labia-Saal der Skaligerburg zur Verfügung stellte ( der sonst wegen seiner spektakulären Lage gern von Hochzeitspaaren gebucht wird). So fand am 1. Oktober die Veranstaltung über die Sommerfrische Klimts und Flöge in schönstem Ambiente vor einem aufmerksamen Publikum statt. Noch einmal Dank an Andrea Schulz und Stefano Lombardi, die mit großem Engagement diesen Nachmittag in Malcesine ermöglicht haben, und an Dr. Herfried Schlude, der mit einer freundlichen Begrüßung die Lesung eingeleitet hat.

Flöge-Ausstellung im Klimt-Zentrum am Attersee

"Emilie Flöge-Reform der Mode. Inspiration der Kunst", ist der Titel einer neuen Sonderausstellung im Klimt-Zentrum in Kammer am Attersee, die die Klimt-Foundation am 03.Juni 2016 feierlich eingeweiht hat. Unter dem gleichen Titel erschien auch ein aufwendig gestaltetes Buch, das von den Leitern der Klimt-Foundation, Peter Weinhäupl und Sandra Tretter herausgegeben wurde. Die Ausstellungseröffnung war ein großer Festakt mit viel Prominenz aus dem Wiener und dem regionalen Attersee- Kulturleben. Nach Grußworten von Weinhäupl und Tretter sprachen die Künstlerinnen Bernadette Huber und Irene Andessner, sowie der Flöge-Forscher Paul H. Simpson. Ich konnte ein Kapitel aus meinem Buch ("Die unstillbare Sehnsucht") vortragen.

Am Abend gab es dann einen großen Empfang in der Villa Langer in Weißenbach, in der Emilie Flöge in der letzten Sommerfrische mit Gustav Klimt im Jahre 1916 zu Gast war. Von der Terrasse aus konnte man auf den im Abendlicht schimmernden Attersee schauen.

Muse, Modell - und Malerin

Die Süddeutsche Zeitung hat am 27. April einen Bericht über Charlotte Berend-Corinth und mein Buch gebracht.

Muse, Modell - und Malerin, Charlotte Berend wurde immer über ihren berühmten Mann Lovis Corinth definiert. In ihrer Romanbiografie stellt Margret Greiner die Frau jedoch als eigenständige Persönlichkeit und Künstlerin vor.von Barbara Hordych.

Die Seite kann unter diesem Link abgerufen werden http://sz.de/1.2967714

Neue Bücher braucht das Land - und alte auch!

Neu: "Ich will mir selbst gehören", Romanbiografie über Charlotte Berend-Corinth erscheint am 12. April im Herder-Verlag (siehe "Buchpublikationen")

Alt: "Auf Freiheit zugeschnitten", Romanbiografie über Emilie Flöge, 2014 bei Kremayr und Scheriau in Wien erschienen, kommt in Lizenz am 11. April als Taschenbuch bei btb heraus. (siehe "Buchpublikationen")

„Ich will mir selbst gehören“

Charlotte Berend-Corinth–Lovis Corinth

Romanbiografie

Herder-Verlag, erscheint am 12. April 2016

Charlotte Berend-Corinth (geb. 1880 in Berlin, gest. 1967 in New York) gehört zu den Frauen, die immer von einem berühmten Mann her definiert und kaum als selbstbestimmte Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Dabei verdient es die als Tochter eines jüdischen Kaufmanns in großbürgerliche Berliner Verhältnisse geborene Charlotte Berend aus dem Schatten ihres Mannes herausbefördert zu werden. Sie war Corinths erste Schülerin in seiner „Malschule für Weiber“, bevor sie ihn 1904 heiratete. Charlotte Berend-Corinth war aber sehr viel mehr als die nach traditionellem Rollenbild vorbildliche „Frau an seiner Seite“, (Gefährtin, Wirtschafterin, Mutter zweier Kinder und bevorzugtes Modell des Ehemannes), sondern eine eigenständige künstlerische Persönlichkeit, deren Malerei zu ihrer Zeit und heute wieder verstärkt wahrgenommen und geschätzt wird.

Neben lithographischen Werkmappen von Schauspielern und Tänzerinnen malte sie vor allem Porträts und in den späteren Jahren Landschaftsaquarelle. Auch in ihrem privaten Leben, sowohl zur Zeit ihrer Ehe wie in der 40jährigen Zeit als Witwe, erwies sie sich ihrer Zeit voraus, lebte souverän und selbstbestimmt nach ihren eigenen Vorstellungen und nicht nach den Regeln einer Gesellschaft der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Sie unterhielt Freundschaften zu vielen Künstlern, vor allem auch zu Schauspielern und Schauspielerinnen, hatte aufregende Liebesbeziehungen, zum Beispiel zu Ferdinand Hodler, reiste bereits in den 30er Jahren in Länder wie die Türkei, Ägypten, Sizilien, lebte zehn Jahre in Italien und ab 1940 in den USA.

Und sie lebte in Bayern! 1916 hatten die Corinths den Ort Urfeld am Walchensee entdeckt und in Herz und Sinne geschlossen. 1918 baute Charlotte dort ein Haus, Lovis Corinth gab das Geld, wollte aber auf keinen Fall von dem Hausbau belästigt werden. Nach dem Einzug verbot er seiner Frau, den Walchensee und den Blick ins Karwendel zu malen, er beanspruchte die Landschaft für sich alleine. Heute gehören Corinths Walchensee-Bilder zu den Höhepunkten der Malerei der Moderne.

Die Romanbiografie möchte Charlotte Berend-Corinth in ihr eigenes Recht setzen, sie als Malerin und Schriftstellerin ernstnehmen, eine Künstlerin zu Beginn des letzten Jahrhunderts im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Aufbegehren lebendig werden lassen.

Die erste Präsentation des Buches (mit Musik) ist im „Buchpalast“ München, Kirchenstraße 5 (Nähe Max-Weber Platz) am 28. April 2016, 19.30 Uhr

Lesung in Flöges und Klimts Sommerfrische

Auf dieser Terrasse haben sie also gesessen und auf den in der Sonne glitzernden oder im Schnürlregen verhangenen See geblickt, haben am Bootshaus das Ruderboot losgemacht und sind nach Litzlberg zum Jausen gerudert.

Authentische Orte haben ihren besonderen Reiz.

So war es für mich ein besonderes Vergnügen, am Attersee auf Einladung der Klimt Foundation über Emilie Flöge zu sprechen und aus meinem Buch zu lesen.

Das Gespräch fand am 18. Juli im Klimt-Zentrum statt, nahe Schloss Kammer, in dessen „Villa Oleander“ die Flöges mit Klimt die Sommer von 1908 bis 1912 verbracht haben, die abendliche Lesung in der Villa Paulick in Seewalchen.

Der k.u.k. Hoftischlermeister Friedrich Paulick hatte sich diese Villa, die einem Schlösschen gleicht, 1876 erbauen und prachtvoll einrichten lassen. Paradestück des Hauses ist die vergoldete Neo-Renaissance-Kassettendecke , mit der Paulick bereits den kaiserlichen Pavillon auf der Weltausstellung von 1873 geschmückt hatte.

Eine der Paulick-Töchter, Therese, heiratete den Bruder Emilie Flöges, Hermann Flöge. Diese verwandtschaftliche Verbindung führte dazu, dass Emilie Flöge und Gustav Klimt viele Stunden und Tage in der Villa zu Gast waren.

Das Wetter am 18. Juli war hochsommerlich-heiß, so dass alle Besucher nach der Lesung gerne auf der Terrasse und im Park bei einem Glas Sekt lustwandelten.

(Fotograf: Erich Weidinger)

Besonderer Dank für die Gelegenheit, in diesem schönen Ambiente zu lesen, gilt neben Sandra Tretter und Peter Weinhäupl von der Klimt-Foundation auch den Besitzern der Villa Paulick, den Geschwistern Messner.

Emilie in der Klimt-Villa

Am 10.und 11. April 2015 konnte ich auf Einladung von Dr. Wilhelm Rasinger in der Klimt-Villa in Wien-Hietzing mein Buch „Auf Freiheit zugeschnitten“ vorstellen und daraus lesen. Emilie Flöge wurde damit im gebührenden Rahmen gefeiert: als kreative Modeschöpferin, erfolgreiche Unternehmerin und als Lebensgefährtin Gustav Klimts.

Die Klimt-Villa steht an dem Ort, an dem Klimt sein letztes Atelier hatte: in der Feldmühlgasse 11 im Stadtteil Hietzing. Ein kleines Museum hält sein Andenken hoch, es findet sich eine Nachbildung des Ateliers, Repliken seiner Bilder, auch ein nachgeschneidertes Reformkleid Emilie Flöges. Vor allem der wunderschöne Garten trägt zur Atmosphäre eines wahren locus amoenus bei. Diese Ausstrahlung war offensichtlich inspirierend: es kamen so viele Besucher, dass die Räumlichkeiten eng wurden, die Resonanz auf Präsentation und Lesung waren sehr positiv, einhellig die Meinung, dass Emilie Flöge es verdient, ins Rampenlicht gestellt zu werden.

Ich danke dem Leiter der Klimt-Villa, Dr. Wilhelm Rasinger, und seinem Mitarbeiter, Baris Alakus, für die Einladung und engagierte Betreuung der Veranstaltungen.

Fotos: Manuel Rasinger

Emilie im Fernsehen

Der österreichische Fernsehsender "servusTV" hat in seiner Literatursendung "LiteraTOUR" das Buch "Auf Freiheit zugeschnitten" und seine Autorin vorgestellt. Die Dreharbeiten in Wien und in München (auf dem Odeonsplatz) waren aufregend. In Wien durfte ich sogar im Leopold-Museum in den Original-Postkarten Gustav Klimts an Emilie Flöge blättern. Wer die Sendung anschauen möchte, kann sie unter dem Link im Internet : http://www.servustv.com/de/Medien/literaTOUR31 abrufen.

Emilie ist da

Im August 2014 erschien im Verlag Kremayr und Scheriau in Wien

Auf Freiheit zugeschnitten

Emilie Flöge Modeschöpferin und Gefährtin Gustav Klimts

Emilie Flöge, 1874 – 1952, war im Wien des Fin de siècle eine prominente Figur. Sie führte ab 1904 zusammen mit ihren Schwestern Helene und Pauline in der Mariahilfer Straße den „Salon Schwestern Flöge“, war dabei als Modeschöpferin wie als Unternehmerin der führende Kopf des Salons. Emilie lernte 1891 Gustav Klimt kennen, sein Bruder Ernst heiratete im gleichen Jahr ihre Schwester Helene. Klimt wurde Emilie Flöges Lebensmensch, sie wurde und wird noch immer von Klimt her definiert als seine „Muse“, seine verlässliche Freundin, als Halt im Leben eines schwierigen Mannes. Ihre eigene Lebensleistung tritt dabei in den Hintergrund.

Genau das möchte dieses Buch ändern. Es will das Bild einer Frau entwerfen, die sich auf dem Gebiet der Haute Couture, die zu ihrer Zeit von Paris bis London, von Berlin bis Wien rein männlich dominiert war, durchsetzen konnte, die außerdem einen eigenen Stil kreiert hat, der damals als „bahnbrechend“ galt. Sie war die erste Modeschöpferin Europas, reiste jedes Jahr zweimal nach Paris und London, um sich Inspirationen, Stoffe und Accessoires zu holen, beschäftigte in der Blütezeit ihres Salons bis zu 80 Angestellte. Erst Coco Chanel konnte 15 Jahre später einen vergleichbaren Durchbruch in Paris feiern.

Emilie Flöge gehörte zum Kreis der Wiener Werkstätten um Josef Hofmann, Koloman Moser, Fritz Wärndorfer die in der Adaption der englischen Arts and Crafts-Bewegung ein neues ganzheitliches Konzept in Kunst, Architektur, Design, Kunstgewerbe und Mode anstrebten. Das Leben sollte von Kunst, die Kunst vom Leben durchdrungen sein. Emilie Flöge wurde die Protagonistin und Promoterin einer lebensreformerischen Mode, die die Frauen von Korsett und Mieder und eingeschnürtem Geist befreien wollte. Sie konnte das strenge Modell des Reformkleides so modifizieren, dass sie Frauen Kleidung schenkte, in denen diese sich frei und wohl fühlten, die aber auch auf eine hinreißende Art schön und weiblich war. Das ganz und gar Singuläre war, dass Emilie Flöge auf ihrem Gebiet nicht nur eine Künstlerin war, sondern als autodidaktische Unternehmerin wirtschaftlichen Erfolg hatte. In einer Zeit, in der Frauen in Wien, wenn überhaupt berufstätig, es in typisch weiblichen Berufen wie Verkäuferin, Näherin, Köchin, Hausmädchen waren, in der sich die Universitäten den Frauen des gebildeten Bürgertums erst allmählich öffneten, Frauen generell von Vätern oder Ehemännern abhängig waren, materiell und intellektuell, bewies Flöge, dass und wie sich die Lebenskultur von Frauen verändern ließ. Damit verkörperte sie wie nur wenige andere die sich emanzipierende Frau der Wiener Moderne. Auch ihre Kundschaft rekrutierte sich aus der neuen (vorwiegend jüdischen) wirtschaftlichen und kulturellen Elite Wiens.

Die materielle Unabhängigkeit verlieh Flöge eine für ihre Zeit ungewöhnliche Souveränität in der privaten Lebensgestaltung. Sie heiratete nie (obwohl sie eine außerordentlich attraktive Frau war), blieb in freier Entscheidung kinderlos, verschaffte sich gesellschaftliche Anerkennung und Achtung, trotz des zweifelhaften Status‘ als nicht legitimierte ‚Frau an Klimts Seite‘. Sie verweigerte sich entschieden allen Rollenbildern, die die Wiener Gesellschaft um die Jahrhunderte für Frauen bereithielt.

Mein im August erschienenes Buch basiert auf dem Stand der gegenwärtigen Forschung, legt die gesicherten Erkenntnisse zu Grunde, geht aber über das rein Faktische hinaus und versucht in einer Mischform aus dokumentarischem Bericht und Roman ein Lebensbild dieser außergewöhnlichen Frau zu entwerfen. Dabei spielt der historische Hintergrund eine wichtige Rolle: das Fin de Siècle in Wien, die Agonie des Habsburger Reiches, die Ablösung des Adels durch ein neues (jüdisches) Großbürgertum, der Aufbruch der Kunst (Secession und Kunstschau), die großen Innovationen in vielen Bereichen ( Psychoanalyse, Zionismus, Zwölftonmusik), Auflösung, Zerrissenheit und Neuorientierung einer Gesellschaft vor und zwischen den Weltkriegen.

Links

zum Verlag:
http://www.kremayr-scheriau.at/bucher-e-books/auf-freiheit-zugeschnitten-678

zum Autorenporträt:
http://www.kremayr-scheriau.at/autoren/margret-greiner-356

zur TV-Sendung:
http://www.servustv.com/at/Sendungen/literaTOUR Die Sendung wird am 22.11. um 18.30 Uhr ausgestrahlt und kann live abgerufen werden, aber auch später mit Hilfe des angegebenen Link angesehen werden.

zu "Schreib-Inspirationen":
http://www.servustv.com/de/Themen/Kultur/Weihnachten/Tipps-Inspirationen

zur Leserunde bei "Lovelybooks":
http://www.lovelybooks.de/autor/Margret-Greiner/Auf-Freiheit-zugeschnitten-1105412480-w/leserunde/1105420027/

Weitere informationen und ein Link zu Leseproben in der Rubrik „Buchpublikationen“

NEU: „Jerusalem ist eine Frau“ –als e-book erschienen

Schon in der Bibel wird Jerusalem als Frau personifiziert: als begehrenswerte Braut, als stolze Frau, als trauernde Witwe, als unwürdige Greisin wie als unkeusches Weib. Diese Bilder Jerusalems, die auch in der Literatur immer wieder auftauchen, in der jüdischen wie in der arabischen, befrage ich auf ihre gegenwärtige Bedeutung hin. In vielen Gesprächen und Begegnungen mit Jerusalemiten unterschiedlichster Ethnien und Religionen versuche ich, ein aktuelles Portrait der Stadt zu zeichnen, die zu den aufregendsten und schwierigsten der Welt gehört. Eine Dichterin und eine Immobilienverkäuferin, eine katholische Nonne wie ein palästinensischer Kaffeehausbesitzer, eine israelische Friedensaktivistin wie eine palästinensische Mutter von sechs Kindern, die an einer israelischen Universität promoviert, eine Auschwitz-Überlebende und ein armenischer Frisör, eine russische Philosophiestudentin und ein verzweifelter arabischer Taxifahrer, eine chinesische Balletttänzerin und ein Psychologe, der in Gaza traumatisierte Familien betreut – diese und andere Jerusalemiten entwerfen ihre Heimatstadt als eine, die sie lieben oder schmähen –oft beides zugleich. Und in allen Gesprächen taucht die Hoffnung auf, dass Jerusalem eines fernen Tages das werden könnte, was ihr Name bedeutet: eine Stadt des Friedens.

Ich habe das Buch als Original in der Kindle–Edition verlegt, d.h. es ist ein elektronisches Buch, nicht im Buchhandel erhältlich. Es kann über Amazon-Kindle erworben werden (einfach meinen Namen eingeben, dann erscheinen alle Buchtitel) und auf ein Kindle-Lesegerät, aber auch auf einen PC, auf ein Handy, ein i-pad usw. heruntergeladen werden. Der Preis beträgt 3,19 Euro. (Die krumme Summe ergibt sich durch die Umrechnung von Dollar in Euro.)

Neue E-Bücher: "Jefra heißt Palästina" und "Zum Steinerweichen" als e-books erschienen

Jetzt habe ich auch "Jefra heißt Palästina" ins Netz gestellt und hoffe,dass das Buch immer noch (vor allem jugendliche) Leser findet. Das Buch ist bei Amazon unter meinem Namen als e-Buch geführt, es kostet 3,14 Euro."Jefra" kann als Kindle-Buch auf ein Kindle-Lesegerät oder App geladen werden,man braucht aber kein Kindle, "Jefra" kann auch als Download direkt am PC gelesen werden.

Ganz nagelneu und als Originalausgabe erscheint am 2. März 2012 Margret Sophia Greiners Buch "Zum Steinerweichen, 33 Geschichten aus dem harten Leben"

In den 33 Kurzgeschichten spielen Steine eine Rolle, mineralische Brocken wie zierliche Edelsteine, Steinbrüche und griechische Säulen, Kiesel am Strand und Wackersteine im Bauch des Wolfes. Und manchmal werden Steine auch nur metaphorisch umgedreht.

Wie das harte Leben so ist: Betrug ist darin und Lüge, Bosheit und Schmerz, Langeweile, Öde, Misstrauen, Eifersucht – und Liebe natürlich, die härteste aller Herausforderungen.

Das Buch kostet 2,99 Euro. Es ist hoffentlich mehr als nur ein "billiges Vergnügen".

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Miss, wie buchstabiert man Zukunft? als e-book erschienen

Da der Piper-Verlag die Rechte an mich zurückgegeben hat, möchte ich das Buch weiterhin zugänglich erhalten. Auch wenn es in die Jahre gekommen ist, ist das Interesse an der „Miss“ immer noch lebendig, sind die Aspekte des Nahost-Konflikts immer noch aktuell.

Das Buch kann als Kindle-Buch von Amazon entweder auf ein Kindle-Lesegerät oder einfach auf den PC heruntergeladen werden. Der Preis beträgt 3.04 Euro ( die krumme Zahl ergibt sich aus der Umrechnung von Dollar).

In der Zeit vom 1. bis 5. März ( pazifische Zeit) ist das Downloaden kostenlos. Die Prozedur ist einfach: auf Amazon gehen, Kategorien anklicken, von dort auf „Kindle Shop“, dann Margret Greiner eingeben, schon erscheint die “Miss“ als e-book.

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Zungenvielfalt-Splittersprache

Ein Porträt der Lyrikerin Ilana Shmueli in "Akzente" Heft 4/August 2010

Im neuen Heft "Akzente", der Zeitschrift für Literatur, herausgegeben von Michael Krüger im Hanser-Verlag habe ich Gedichte von Ilana Shmueli und ein Porträt veröffentlicht.

Hier ein Gedicht Ilana Shmuelis, in dem sie den berühmten Psalm 137 variiert:

Meine Zunge haftet am Gaum
wenn ich deiner gedenke
Jerusalem

in Freude kam ich zu dir
ich stand im Licht
und um mich standen die Tore

immer gedenk ich deiner
dräng mich an das Vermauerte

wo ist dein Zauber?

du haftest am Gaum
bitter und hart

Und einige Zeilen aus meinem Porträt:

„Das lästige Leid“ - In vielen Gedichten Ilana Shmuelis wird die Vergangenheit ‚aus der Asche‘ geholt, wobei die Asche für eine Jüdin, die Terror und Verfolgung miterlebt hat, mehr ist als die Sedimentierung des Vergangenen: „es flüstert unter der Asche“. Die Toten stehen auf: „Die Toten und die Sterbenden sind nah- / wir wissen voneinander“. Oder: „Neige dich zu deinen Toten / sie hören / sie schauen / sie leben dir zu.“ Oder: „Reden von Toten / Unmitteilbares / auf unkluger Zunge / wir rufen sie wach.“

Dieses Erinnern steht ganz in der jüdischen Tradition des Totengedenkens, es hat im Kontext der Shoa aber eine besondere Bedeutung. Shmueli moralisiert nicht, läßt die Toten nicht ‚mahnen‘ oder Botschaften verkünden. Die Toten werden lebendig, damit der Erinnernde leben kann, „springen“ kann, wenn das „zu Gedenkende, zu Vergessende“ täglich neu auf ihn zukommt. Springen ist ein völlig anderer Habitus als ‚bewältigen‘, ist eine vertikale Dynamik, ein körperliches Sich-Erheben über den Schmerz als Versuch der Nachgeborenen, Gedenken und Leben zu verbinden.

„Das lästige Leid“ – lakonischer kann man auch das Laborieren am Leben in Israel nicht benennen. Wenn Celan in seinen letzten Briefen immer wieder schrieb „Ihr Israelis“, so antwortete Ilana schon damals: „Wir - Wir - in Israel - ich weiß so wenig darüber zu sagen ... Es ist blutig und staubig um mich stickig und habgierig, manchmal frivol, manchmal kleinbürgerlich-eng und ambiziös“. In einer Variation auf den berühmten Psalm 137, („Wenn ich dein vergesse, Jerusalem“) spricht das lyrische Ich als Enttäuschte, das den vielbeschworenen Zauber der Stadt nicht mehr findet, das die Ideale verraten sieht und müde ist der nicht enden wollenden Kämpfe und Kriege.

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Sag,daß Jerusalem i s t

Paul Celan und Ilana Shmueli- Eine Liebe in Jerusalem

Vortrag beim Evangelischen Forum in Münster am 22. März 2010

Ende April jährt sich Paul Celans Todestag zum 40.Mal. Ein halbes Jahr vor seinem Tode war Celan in Jerusalem, auf Einladung der israelischen Histadrut (Gewerkschaft), auf Einladung aber auch seiner Jugendfreundin aus Czernowitz, Ilana Shmueli. In Jerusalem und in der Liebe zu Ilana suchte Celan seine jüdische Heimat zu finden. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Nach seiner Rückkehr nach Paris schrieb er dreißig Jerusalem-Gedichte, die in der Sammlung "Zeitgehöft" veröffentlicht wurden. Sie geben Zeugnis von Glück, Liebe und Verzweiflung der Jerusalem-Erfahrung.

Ilana Shmueli, heute 84jährig, lebt in einem Altersheim in Jerusalem, in dem ich sie mehrfach besucht habe. Sie hat vor einigen Jahren den Briefwechsel mit Paul Celan herausgegeben,der bewegend die Geschichte einer Liebe spiegelt, aber auch Celans Weg in die Depression, die zu seinem Selbstmord führte. Ilana Shmueli hat Gedichte von Celan ins Hebräische übersetzt und ist darüber selbst zu einer großen Lyrikerin geworden.

Die Tagung in Münster beschäftigt sich vor allem mit dem "jüdischen" Celan,der in seiner Lyrik immer wieder das Trauma der Shoa verarbeitet. Die Gedichte spiegeln aber auch seine tiefe Verwurzelung in der jüdischen Theologie und Geistegeschichte.

Zu Beginn der Veranstaltung wird Jörg Simonsmeier vom Evangelischen Forum in Münster einen Überblick über Celans Biographie geben.Im Anschluss an den Vortrag sollen exemplarisch drei Gedichte Celans interpretiert werden,unter anderm die berühmte "Todesfuge".Ich werde Celans Gedicht "Tübingen, Jänner" vorstellen.

Tagung über Paul Celan am 22.03.2010 von 15.30 bis 19.30 in der DKV-Residenz am Tibusplatz, Tibusplatz 7, Münster

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Weihnachten 2010

Im Jahre 2000, mitten in der 2. Intifada, schrieben meine Schülerinnen des Schmidt's Girls College in Jerusalem ein Gedicht.

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Bethlehem im Jahre 2010

Wo sind die vielen Pilger,
die zu Weihnachten nach Bethlehem kommen ?
Wo sind die strahlenden Christbäume ?
Werden die Weihnachtsbäume mit Gewehrkugeln dekoriert ?
Alles liegt im Dunkel.
Dieses Jahr geht an Weihnachten die Sonne nicht auf.
Dieses Jahr hat das Christkind Bethlehem vergessen.
Wo ist das Glück auf den Gesichtern der Kinder ?
Statt unter dem Weihnachtsbaum
finden wir unsere Kinder auf den Friedhöfen.
Wo bleiben Gerechtigkeit und Frieden ?

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Die Pilger sind im Jahre 2010 nach Bethlehem zurückgekehrt, nicht aber Gerechtigkeit und Frieden.

Ich wünsche allen meinen Lesern und Freunden ein friedvolles Weihnachtsfest.

Margret Greiner

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Lehrauftrag in Davis/California

Vom 20.September 2008 bis zum 20.Dezember 2008 werde ich an der University of California in Davis einen Lehrauftrag im German Department wahrnehmen. Der Auftrag besteht in einem Theaterworkshop für Studenten der Germanistik. Das Thema, das ich gewählt habe, ist: "Katastrophen der Liebe- Variationen über ein deutsches Thema". Liebe ist von Natur aus dramatisch. Im Theater dreht sich alles darum, im deutschen Theater besonders um die Katastrophen der Liebe. Katastrophe heißt Wendepunkt, es gibt Wendungen ins Tragische, in den Tod, es gibt Wendungen ins Komische. Und sehr oft vermischen sich die Elemente.

Der Theaterkurs hat das Ziel, Liebeszenen aus deutschen Dramen auf die Bühne zu bringen, klassische von Goethe ( Faust und Margarete) und Schiller (Ferdinand und Luise) und moderne nach Texten von Heiner Müller, Botho Strauß, Roland Schimmelpfennig.

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Interkultureller Schüleraustausch in Jerusalem

Vom 25.Oktober 2007 bis zum 4. November 2007 findet in Jerusalem ein internationaler und interkultureller Schüleraustausch mit Schülern und Schülerinnen aus Deutschland (Winterberg), Tschechien (Prag), Ägypten (Alexandria) und Palästina (Schmidt's Girls College in Jerusalem) statt. Es geht vor allem um einen Dialog zwischen Christentum und Islam. Die Erfahrung der anderen Kultur werden die europäischen Jugendlichen zu allererst und vermutlich sehr eindrücklich und nachhaltig in den Gastfamilien und im persönlichen Austausch mit den Gastschülerinnen machen. Das Thema des Austausches in Jerusalem ist „Die Auswirkungen der politischen Situation auf den Alltag Jugendlicher“. Dabei geht es in Jerusalem natürlich vorrangig um den Alltag der Palästinenserinnen. Intensive Workshops mit szenischem Spiel, Schreibwerkstatt und der Arbeit an einer "Geräuschkomposition" runden in Tabgha am See Genezareth die Recherchen und Erfahrungen ab.

Ich bin eingeladen, diesen Schüleraustausch zu begleiten, werde aus der "Jefra" lesen und möchte ausgehend vom Film "Promises" eine Schreibwerkstatt anbieten.

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Lesereise nach Ägypten

Vom 7.bis 11. Mai 2007 war ich nach Ägypten eingeladen, um dort aus meinen Büchern zu lesen. In Kairo las ich vor Schülerinnen und Schülern der Evangelischen Oberschule, die von deutschen und ägyptischen Schülern besucht wird, und der Evangelischen Gemeinde, die von dem Pastorenehepaar Axel und Andrea Matyba geleitet wird. In Alexandria führte mich der Weg in die Schule der Borromäerinnen, die einen engen Kontakt zum Schmidt's Girls College in Jerusalem unterhält, der palästinensischen Schule, an der ich als Deutschlehrerin unterrichtet habe. Für diesen Herbst ist ein Austauschprogramm in Jerusalem geplant. Außerdem gab es eine Lesung aus "Jefra heißt Palästina" im Goethe-Institut von Alexandria.

Alle Lesungen hatten eine lebhafte Resonanz. Die Bereitschaft, vor allem der jungen Frauen, sich auf neue Eindrücke einzulassen und die weitverbreiteten negativen Vorbehalte über Israel kritisch in Frage zu stellen, hat mich beeindruckt. Eine Schülerin sagte nach der Lesung: "Wir sind aufgeschlossene Mädchen. Wir wollen nicht in Stereotypen denken. Sie haben versucht, uns andere Bilder zu vermitteln als die, die wir im Kopf haben."

Auch die Lehrerinnen und Lehrer und die übrigen Veranstalter reagierten positiv. Einige Stimmen: "Ich fand Ihren Besuch sehr bereichernd." "Ihr "Jefra"-Buch macht schon die Runde unter den Schülern, und besonders die Mädchen sind sehr beeindruckt. Mit viel Wärme und Einfühlungsvermögen geschrieben, kann das Buch manchmal zu Tränen rühren, auch ob der Ausweglosigkeit der Situation." "Wir haben uns sehr gefreut, Sie im Goethe-Institut begrüßen zu dürfen. Ihre Lesung war hochinteressant und hatte großen Erfolg." "In meiner Klasse haben wir noch einmal über die Lesung gesprochen. Die waren wirklich sehr begeistert von Ihnen und Ihrem Roman. Teilweise konnten sie sich sogar an kleine Details erinnern. Ich denke, Sie haben die Herzen der Mädchen erreicht. Danke Ihnen dafür."

Mein Dank geht vor allem an Katrin Scholz und Thomas Jäger, die mich nach Kairo und Alexandria eingeladen und mir zu so eindrücklichen Begegnungen verholfen haben.

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"Novalis und der Orient"

Symposion auf Schloss Oberwiederstedt

Die Forschungsstätte für Frühromantik veranstaltet am 30. und 31. August 2007 auf Schloss Oberwiederstedt, dem Geburtsort Friedrich, Freiherr von Hardenbergs (Novalis), ein Symposion zum Thema "Novalis und der Orient". Zum Abschluss findet am Abend des 31. August im Garten des Schlosses eine Lesung statt, die den Orient der Gegenwart in den Blick nimmt Dr. Georges Tamer spricht über arabische Migranten-Literatur, Zafer Senocak liest aus seinem Buch "Das Land hinter den Buchstaben" und Margret Greiner aus "Miss, wie buchstabiert man Zukunft".

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"Jefra" in Deutschland

Lama, meine frühere Schülerin am Schmidt's Girls College, die das Vorbild für „Jefra“ abgegeben hat, hat im Rahmen einer Friedenswoche in Osnabrück im Juli 2006 über ihre Vorstellungen gesprochen, für einen Frieden zwischen Israel und Palästina zu arbeiten.

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Friedensstrategien für Israel und Palästina

Ich bin im östlichen Teil der geteilten Stadt Jerusalem aufgewachsen. Mir ist klargeworden, dass verschieden Faktoren eine Rolle spielen in dem anhaltenden und blutigen Konflikt zwischen Israel und Palästina. Es gibt da etwas, was wir einen Kreis nennen können, einen Teufelskreis aus Gewalt, Hass und Rache. Du tötest meinen Sohn, also werde ich deinen Sohn töten. Du brennst meine Bäume nieder, also werde ich deine Häuser zerstören und so weiter und so fort, ohne dass irgendeine Seite realisiert, dass wir Leid nicht vergleichen können, dass Leid keine Nationalität hat, dass Leiden nichts anderes ist als Leiden und dass es wehtut, sehr weh.

Den ersten Schritt, den beide Völker machen sollten, um einer Verständigung ein bisschen näherzukommen, wäre, zu begreifen, dass es nicht die andere Seite ist, die sie hassen und fürchten, sondern die Seite, die man nicht kennt.

Wir müssen beim Erziehungssystem beginnen. Die Geschichte des anderen Volkes muss in den Schulbüchern vorgestellt werden. Die gegensätzlichen Lesarten über die Geschichte sollten gelehrt, diskutiert und herausgearbeitet werden, damit die Menschen die Geschichte der anderen Seite kennenlernen, denn die Menschen neigen dazu zu vergessen, dass diese Geschichte existiert.

Wenn die Menschen sich selbst die Existenz der Anderen zugestehen, gehen wir über zum nächsten Schritt: dass sie sich begegnen. Wenn sich beide Seiten treffen, von Angesicht zu Angesicht, dann können sie ihre Kulturen austauschen, ihre Religionen, Sprachen und –am wichtigsten von allen: ihre Geschichten. Wenn Feinde ihre Geschichten teilen, dann können sie beginnen, eine Geschichte mit einem Gesicht zu verbinden, eine Zeitungs-Schlagzeile mit einem Freund. Sie sind nicht länger Feinde, sie sind Menschen, mit denen man zusammen saß, mit denen man gemeinsam Kopfweh hatte. Dann kann man nicht länger einfach da sitzen und zusehen, wie sie all dieses Leid erdulden. Dann gibt man sich die Hand und geht gemeinsam voran.

Das Alter zwischen 16 und 18 ist eine besonders kritische Zeit, speziell für Jugendliche in Israel und Palästina. Es ist die Zeit, in der die Israelis sich darauf vorbereiten, in die Armee zu gehen. Mehr als 20% aller palästinensischen Opfer während der zweiten Intifada fielen in diese Altersgruppe. Es ist das Alter, in dem man sehr viel geben kann, sehr viel fragt, hasst oder liebt. Am wichtigsten ist: es ist die Zeit, in der Menschen verstehen wollen, wer sie sind, in der sie ihre Identität formen. Mit Menschen dieser Altersgruppe zu arbeiten, kann eine große Herausforderung bedeuten, aber der Lohn dafür ist erstaunlich.

Der Prozess der Annäherung hört nicht damit auf, dass sich die beiden Seiten getroffen haben. Weitergehende Programme müssen auf dieser Basis eingesetzt werden, so dass die Jugendlichen ihre Fähigkeiten, die sie in ihren Gemeinschaften und mit Gleichaltrigen erworben haben, praktisch nutzen können. Es ist ein Wellen-Effekt: einer wächst über sich hinaus und streckt die Hände aus zu anderen. Menschen beginnen zu begreifen, dass wir nur ein Leben geschenkt bekommen haben und dass dieses Leben nichts wert ist, wenn man es damit zubringt, Menschen zu hassen und durch Klischees abzuwerten.

Übersetzung aus dem Englischen: Margret Greiner